"Du bist eben doch ein bisschen kompliziert."

"Aber nein", widersprach sie rasch. "Ich bin nur ... ich bestehe eben aus ganz vielen verschiedenen unkomplizierten Menschen."

(aus: F. Scott Fitzgerald, "Zärtlich ist die Nacht")

Kerstin Grether ist Schriftstellerin, Sängerin und Popkulturjournalistin. Ihre klischeefreien Texte über die Klischees der Popkultur sowie mimetische Manifeste über weibliche Rolemodels (in u.a. Spex, Intro, MTV und Feuilleton) sind stilbildend und grundierten den Popfeminismus der Nuller Jahre. Mit Zuckerbabys (Suhrkamp 2006) schrieb sie einen Roman über Magersucht und Medien, der schnell zum Kultroman avancierte. Ihre exzentrischen Leseperformances changieren zwischen mutwilligem Ernst und spontanen Stand-Up-Comedy-Einlagen. Mit der Rock-Band Doctorella schreibt sie toughe, Trost spendende Songs und traumhafte Melodien für eine kalte Welt.

 

Popfeministische Aktivitäten:

Kerstin Grether war Mitorganisatorin und eine der Presse-Sprecherinnen des Slutwalk Berlin: „ Die Tendenz Betroffenen von sexualisierter Gewalt eine Mitschuld zu geben,, hat es schon immer gegeben. Die Klägerinnen geraten häufig in die Situation, sich für die erlittene Gewalt rechtfertigen zu müssen. „
Weiterzulesen hier:
"http://jungleworld.com/artikel/2011/25/43438.html"

Mit ihrer Band Doctorella hat sie den Slutwalk überdies aktiv unterstützt.

Die Literaturwissenschaftlerin Katja Kauer erläutert in ihrer Doktorarbeit „Popfeminismus! Fragezeichen!, Verlag für wissenschaftliche Literatur, 2010, die Ursprünge eines sogenannten „Pop-Feminismus“:
Am 8. April 1995 gestaltete Kerstin Grether (mit ihrer Zwillingsschwester Sandra Grether u.a.) ein Symposium im "Künstlerhaus Stuttgart", bei dem sie sich gegen die mediale Anwendung des Begriffs "Girlie" wehrte. Dagegen, dass " die Medien plötzlich alle Mädchen und jFrauen über einen Kamm scheren", und diese "in einer neuartigen konsumistischen Welle" als "unpolitische und unfeministische Subjekte darstellten", hielt Kerstin Grether eine leidenschaftliche Rede. Es war der erste "Girl-Kongress". In einem ca einstündigen Manifest, in Anlehnung an das "Riot Grrrl"-Manifest, informierte sie das Publikum und die Presse-Vertreter über die amerikanische Riot-Girl-Bewegung und wies gleichzeitig darauf hin, dass auch die Mädchen und Frauen in Deutschland nicht nur "Konsumentinnen" sondern auch "Produzentinnen von Inhalten" sein wollten. Es war auch eine Rede für weibliche Kreativität und sollte als Stärkung der Frauen in der Popkultur fungieren. unterstützt Kerstin Grether wies darauf hin, dass es sich keinesfalls um eine rein unpolitische Generation handelte, da sich für sie und ihre Freundinnen "echte Emanzipation und falsche Wimpern" noch nie ausgeschlossen hätten: "Unser Wort: Pop Feminismus."

Katja Kauer weiter: "Nur wenige junge Autorinnen wie Kerstin Grether verwenden den Begriff“ Popfeminismus“ selbstsicher. Und zwar in dem Sinne, dass sie die Popkultur als Ausgangspunkt für ihre feministische Kritik sehen oder dass sie selbst im Medium der Popkultur als eine Popkünstlerin agieren.“ Die Kulturwissenschaftlerin vergleicht den Schreibstil von Kerstin Grether mit der der französischen Schriftstellerin Hélène Cixous und mit der deutschen Schriftstellerin Irmgard Keun.

Kerstin Grether organisierte, zusammen mit Sandra Grether und anderen, das erste deutsche Ladyfest hierzulande, das 2003 in Hamburg stattfand. (Das Ladyfest ist eine Bezeichnung für Kunstveranstaltungen, die meist von Frauen und Transgendern organisiert werden. Sie teilen die gemeinsame Zielsetzung, einer Unterrepräsentation von Frauen und Mädchen innerhalb der Musik-und Kunstszene entgegenzutreten.)